Sonniges Bild von Triest.

Geheimtipps in Triest

Du glaubst, Triest schon zu kennen? Dann ist dieser Artikel genau das Richtige! Gemeinsam mit Autorin Christina Dow und ihrem neuen Buch „Mein verstecktes Triest“ begibt man sich auf die Spuren der Einheimischen und entdeckt die authentische Seite der italienischen Hafenstadt.

8 Min.

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Gefühlt war ja schon fast jeder Österreicher und jede Österreicherin in Triest. Die alte K.u.K.-Hafenstadt zieht einen einfach in seinen Bann – zu vertraut sind die Palazzi, zu gut die Fischküche und zu wunderschön das Meer. Und von der Steiermark aus ist es ja ohnehin nur ein Katzensprung nach Bella Trieste – neuerdings auch mit dem Zug.

Aber mal ehrlich: Spazierst du nicht auch immer wieder durch die gleichen Gassen in Triest? Gehst du nicht immer zu deiner Lieblingsbar, trinkst deinen Aperol Spritz am gleichen Platzerl am Meer und shoppst dich nicht durch dieselben Boutiquen wie immer? Und wahrscheinlich hattest du auch beim letzten Mal keine Zeit oder Idee, in den Karst zu fahren?! Tja, deshalb wurde mit „Mein verstecktes Triest“ ein neuer Guide herausgebracht, der dir ganz neue Seiten der Stadt zeigt.

Buffet-Liebe

In Triest gibt es wohl nichts Authentischeres als ein Buffet. Nach alter Tradition sperrt diese Mischung aus Bar, Feinkostladen und Jausenstation schon frühmorgens auf. Damals war das so, um die Hafenarbeiter, Fischer und andere Berufsschichten, die schon seit den Nachtstunden arbeiteten, mit einer warmen und kräftigen, frühen Jause zu versorgen. Heutzutage trifft man um 9 Uhr auch immer wieder Menschen, die gerne schon ein Glaserl trinken, aber das ist ein anderes Thema … Das Tries­tiner Buffet ist eine Institution. Hier treffen sich die Menschen, hier wird geplaudert, gelacht, geschimpft und jedem ein kleines bisschen Familie beschert.

Mein Lieblings-Buffet ist das L’Approdo, gleich in der Nähe des legendären Mercato Coperto. Paolo und sein Team haben hier seit 1993 ein zweites Wohnzimmer für unzählige Triestiner, aber auch für Gäste von überall geschaffen. Das L’Approdo ist quadratmetertechnisch klein und eng, aber man mag kaum glauben, wie viele Menschen da reinpassen. Die Theke, wo die wunderbaren Cicchetti und Fritture, der warme Schinken, die knusprig gebackenen Sardinen, die fluffigen Gnocchi mit Goulash und die duftenden Wurstel mit Krauti präsentiert werden, wird genauso als Tisch verwendet wie die zwei alten Weinfässer vor dem Lokal an der stark befahrenen Straße. Die Speisen sind in der Regel fleischlastig und deftig, aber immer mit viel Liebe und den besten Zutaten hausgemacht.

Eine weitere Besonderheit von allen Buffets in der Stadt ist, dass sie durchgehend (warme) Küche anbieten – von früh bis spät. Denn sind wir mal ehrlich: Wer von euch ist in Italien noch nicht in die typische Touristen-Hungerfalle am späten Nachmittag getappt? In Italien öffnen ja alle Restaurants erst wieder zwischen 19 und 20 Uhr. (Als erster Gast um 19 Uhr wirst du auch noch leicht verachtend gemustert.) Meistens landet man dann also davor in irgendeiner Bar und stopft sich mit Chips und Tramezzini voll, sodass einem der Appetit auf das Abendessen meistens wieder vergeht. Aber was kann man in Triest stattdessen machen? Richtig: In ein Buffet gehen und bei herrlicher Hausmannskost zuschlagen!

Frittierte Meeresfrüchte am Meer.
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Beste Wind’n-Küche

Es gibt sie eigentlich nicht, DIE Triestiner Küche. Sie ist wie die Stadt selbst: ein Schmelztiegel aus vielen Kulturen und Epochen. Sie trägt genauso viel Geschichte in sich wie die Gassen der Stadt, sie brilliert wie die wunderschönen Palazzi und ist herz­erwärmend wie die Sonne am Molo Audace. Aber vielleicht gibt es doch ein echtes, triestinisches Gericht … die Jota! Dieser Traditionseintopf aus Sauerkraut, Bohnen, Kartoffeln und einem (geräucherten) Fleisch-Mix ist eine nährende, vollmundige und wärmende Mahlzeit. Deshalb wird die Jota auch vorwiegend in der kälteren Jahreszeit angeboten. Sollte man einmal probiert haben.

Was findet man noch in der typischen Traditionsküche der Stadt? Lubianska (eine Art italienisches Cordon bleu), Prosciutto cotto in crosta con senape e kren (der hand-aufgeschnittene Kochschinken aus dem Brotmantel mit Senf und Kren), die verschiedenen Strudel, die Gnocchi di pane (kleine Semmelknödel), das Goulash, die Patate in tecia (Röstkartoffeln mit Zwiebeln und Speck), das Sauerkraut und natürlich Mehlspeisen wie Torta di Sacher, Pinza, Putizza oder Presnitz. Dazu kommt noch der Baccalà mantecato (die gerührte Stockfischcreme), Sarde in saor (in Zwiebeln süß-sauer marinierte Sardinen), Bigoli in salsa (dicke Spaghetti mit einer Creme aus Zwiebeln und Sardellen) sowie Pasta alla barcolana (Nudeln mit einer Sauce aus Sardellen, frischen Tomaten, Knoblauch, Zitrone und Olivenöl). Du siehst, die Sardine ist der Triestiner „Haus- und Hof-Fisch“.

Aber wo geht man nun diese herrlichen Speisen möglichst authentisch kosten? Entweder in den erwähnten Buffets oder in echten „Wind’n“ – also urige Trattorie oder Osterie, die noch echte Hausmannskost anbieten.

Andiamo sulle alte!

Am Wochenende in der Stadt bleiben? Niemals. Der echte Triestiner fährt ins Hinterland, um einzutauchen in eine Mischung aus Natur, Ruhe und natürlich Kulinarik. „Andiamo sulle alte“ heißt das, also wortwörtlich übersetzt so etwas wie „gehen wir auf die Höhen“. Gemeint ist damit der Karst beziehungsweise auch die Region rund um Val Rosandra und Muggia, die eben hügelig, ja fast schon bergig ist. Hier hat man vielerorts nicht nur wunderschöne Ausblicke auf den Golf von Triest, sondern taucht auch ein in das echte, ursprüngliche Leben am Land, wo die Agriturismi noch ihre eigenen Produkte herstellen und am Wochenende die Türen zu ihren Gaststätten öffnen. Osmiza eben!
Moment: Was ist eine Osmiza? Ein einfacher, landwirtschaftlicher Betrieb, der Wein, manchmal aber auch Olivenöl, Salumi, Schinken, Käse oder Eingelegtes produziert und ein paar ausgewählte Tage im Jahr aufsperrt, um diese Köstlichkeiten an die Menschen auszuschenken. Ach ja, hart gekochte Eier sind auch obligatorisch.

Woher der Name „Osmiza“ stammt? Aus dem Slowenischen, vom Wort „osmica“, was „acht“ bedeutet. Und das Entstehen dieser kulinarischen Tradition? Das verdanken die Italiener wiederum den Österreichern, genauer gesagt der österreichisch-ungarischen Monarchie. Kaiserin Maria Theresia erließ 1784 ein Dekret, das Bauern erlaubte, ihren Wein und ihre Produkte für genau acht Tage im Jahr zu verkaufen. Heute sind die Gesetze bezüglich Öffnungstage ein bisschen lockerer – die meisten Osmize haben mehr als acht Tage geöffnet. Was aber blieb, ist die Vorschrift, nur selbst- oder in der Umgebung produzierte Bauernprodukte verkaufen zu dürfen. Nichts Warmes, keinen Kaffee.

Meine Top 3 Buffets in Triest

aMano: Mischung aus Buffet, Salumeria und Gastronomia. Tolle Auswahl an Schinken, Salami, Käse, Ricotta, Brot, Gebäck und Weinen aus der Region. Viele hausgemachte, fertige Gerichte zum Mitnehmen. Largo della Barriera Vecchia, 11, facebook.com/amano­trieste

Benedetto: Unweit der Piazza Oberdan, klassisch mit rot karierten Tischdecken, viel Holz und dem Kaiser an der Wand. Die Küche ist sowohl für Schnellesser (verschieden gefüllte Panini, Prosciutto cotto con kren, halbe Eier mit Sardelle) als auch für Sitzenbleiber (Jota, Caldaia, Pasta, Gnocchi, Pesce, Dolci). Eine über 100 Jahre alte Institution! Via Trenta Ottobre, 19a, ­facebook.com/benedettobuffet

L’Approdo: Kleines, enges, gemütliches Buffet, das dank Paolo und seinem Team zum familiären Anlegeplatz für viele Stammgäste geworden ist. Große Auswahl an schnellen Gerichten, Cicchetti und Gebackenem in der Vitrine, herrliche Tagesgerichte, die nach echter Nonna-Küche schmecken. Via Giosuè Carducci, 34, buffetapprodo.it

Uriger Laden mit Spezialitäten aus Triest.
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Meine Top 3 Wind’n in Triest

Alla Valle: Gediegenes Fischrestaurant in der Nähe des Barbacan-Viertels. Großartige, frische Fischküche, hauptsächlich Klassiker. Wunderbar würzig die Tagliolini alla busara, herrlich cremig das Risotto mit Scampi. Ein Paradies für Fischliebhaber! Via della Madonna del Mare, 18, Tel.: +39 040 31 25 06

Alla Bella Trieste: Ein seltenes Kulinarik-Fundstück in Triest, nähe Ospedale Maggiore: Hier gibt es nämlich nicht nur gute Traditions-Fleischküche (Lubianska, Cevapcici, Pljeskavica u. v. m.), sondern auch klassische Fisch­gerichte (Calamari, Sardoni fritti, Pesce del giorno, Sarde in Saor u. v. m.). Die Pasta und die Gnocchi werden hausgemacht! Via Massimo D’Azeglio, 19, Tel.: +39 040 76 19 79

Antico Spazzacamino: Beim Betreten dieses Lokals taucht man sofort in eine andere Welt ein. Irgendwo zwischen 70er-Jahre-Möbeln, Flohmarkt-Fundstücken, Musikinstrumenten und echten Reliquien aus Peru nimmt man an einem der Retrotische Platz und lässt sich am besten das bringen, was einem an diesem Tag empfohlen wird – in der Regel gemischte Fisch-Vorspeisen, Muscheln, hausgemachte Pasta und Pesce del giorno. Ein Erlebnis für wirklich alle Sinne. Via delle Settefontane, 66, facebook.com/antico.spazzacamino

Sehr voll eingerichtete Taverne.
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Meine Top 3 im Karst

Cardo Boutique & Wine Resort: Res­taurant mit „Farm-to-Table“-Küche – das heißt, am Teller landet alles, was selbst produziert wird: Olivenöl, Salumi, Brot, Pasta, Gemüse, Salate, Kräuter, Marmeladen. Dabei sitzt man im Sommer unter den Olivenbäumen und zwischen den Weinreben. Località Malchina, 22/F, 34011 Malchina, cardoresort.com

Dom Bistro: In diesem gemütlichen Lokal mit riesigem Garten findet man alles, was Familien und Ausflügler suchen: Grillküche, Burger, Pizza, Insalate und einige Klassiker wie Crostini oder Beef Tartar. Und keine Touristenküche! Borgo Grotta Gigante, 87, 34010 Sgonico, dombistro.it

Gostilna Brin: Ein Feuerwerk an Aromen und Tradition – das wird in der Gostilna Brin von Alex und Alexander zelebriert. Kreativ, modern und jung auf die Teller gebracht, ein Erlebnis! Località Col, 8, 34016 Monrupino, instagram.com/gostilnabrin

Outdoor-Tischset inmitten von Weinreben.
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Buchtipp:

Mein verstecktes Triest: 177 neue Tipps – auf den Spuren der Einheimischen, Christina Dow. 132 Seiten, Farbe, erschienen im Buchschmiede Verlag als Taschenbuch (€ 29,50) sowie als E-Book (€ 19,50)! Beides erhältlich auf www.genussreisen.it

Frau hält ein Buch über Triest in der Hand.
© Conny Leitgeb

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