Porträt einer Frau

Spätakne: Wenn Schmerzen zum Alltag werden und was wirklich hilft

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5 Min.

© Pexels/ Ron Lach

Erwachsenenakne, auch Spätakne genannt, ist keine Seltenheit, wenn man aktuellen Schätzungen glauben darf: Mehr als jede Dritte aller Frauen über 25 ist davon betroffen. Darüber gesprochen wird allerdings selten. Akne? Das sollte doch nur in der Pubertät Thema sein? Betroffene Jugendliche hofften einst, dass nach ein paar Jahren alles überstanden wäre. Dass man, wenn man „groß ist“, schöne Haut hat – so wie auf Social Media, Plakaten und Red Carpets suggeriert wird.

Fakt ist, dass das selten tatsächlich so der Fall ist: Die Mehrheit der Betroffenen im Erwachsenenalter leidet seit der Pubertät daran. Dabei können unterschiedliche Faktoren Ursache sein: Hormonelle Schwankungen, Stress und sogar bestimmte Hautpflegeprodukte können die Haut plötzlich aus dem Gleichgewicht bringen.

Wie uns Dermatologin Dr.in Julia Lämmerhirt im Gespräch erklärt, sind hormonelle Einflüsse die häufigste Ursache. Ein Blutbild könne hierfür bei der Untersuchung und Diagnose helfen – muss es aber nicht. “Die Hormonwerte im Blut müssen nicht unbedingt auffällig sein; oft reagiert die Haut besonders empfindlich auf normale Mengen an Androgenen (männliche Hormone)”, so die Expertin. Die Folge sind meist Akne im unteren Gesichtsbereich an Kinn, Kieferlinie und Hals. Neben den schmerzhaften Knoten, Zysten und Entzündungen können vor allem häufiger Narben entstehen, da sich die Haut langsamer regeneriert, je älter man wird.

Schon seit Jahrzehnten schaffen Salben, Cremen oder auch Tabletten Abhilfe. Oftmals ist das ein langer Weg für Betroffene, da sich Verbesserungen meist erst nach Monaten zeigen können. Neben Altbewährtem entwickeln sich allerdings auch neue Behandlungsansätze: Von medizinischen Geräten für zu Hause, neuen Wirkstoffen oder bunten Stickern ist alles dabei. Wir schaffen einen Überblick.

Eine Frau lehnt ihr Gesicht auf ihre Hände und sieht seitlich in die Ferne
© Pexels/ Damla Selen

Neues und Altbewährtes

Der wichtigste Schritt ist jedenfalls eine Behandlung mit Unterstützung von Expert:innen. Hat man schmerzliche Knoten und Entzündungen, sollte ein:eine Dermatolog:in aufgesucht werden. “An den bewährten Grundpfeilern der Aknetherapie hat sich in den letzten Jahrzehnten wenig geändert – und das aus gutem Grund, denn sie sind nach wie vor sehr wirksam”, so Dr.in Lämmerhirt. Bei leichter bis mittelschwerer Akne können äußerlich angewendete Wirkstoffe wie Adapalen, Benzoylperoxid und Azelainsäure helfen, bei stark entzündlicher Akne könnte die Einnahme von Antibiotika erforderlich sein – allerdings aufgrund einer möglichen Resistenzentwicklung nur für einen begrenzten Zeitraum.

Bei schwerer Akne ist meist orales Isotretinoin die wirksamste Therapie. Darüber hinaus haben sich kürzlich weitere Therapieoptionen ergeben, insbesondere für Frauen mit hormonell geprägter Erwachsenenakne. „Spironolacton kann aufgrund seiner antiandrogenen Wirkung eingesetzt werden und stellt für viele Patientinnen eine Alternative zur antiandrogenen Pille dar. Mit Clascoteron steht seit Kurzem zudem erstmals ein äußerlich anzuwendender Wirkstoff zur Verfügung, der die Wirkung männlicher Hormone direkt in der Haut hemmt”, erklärt die Dermatologin.

Sie selbst verfolgt zudem in ihrer Praxis Skin Balance in Wien einen ganzheitlichen Ansatz: Neben einer medizinisch begleiteten Therapie ist eine auf den Hauttyp abgestimmte Hautpflege sowie gegebenenfalls Anpassungen bei Ernährung, Stressmanagement und Schlaf ein essenzieller Bestandteil für einen langfristigen Therapieerfolg.

Dieser individuelle Ansatz hat laut der Expertin die Behandlungsmöglichkeiten sowie das Verständnis von Akne stark verändert: “Akne wird heute als chronisch-entzündliche Hauterkrankung verstanden und deshalb möglichst früh und konsequent behandelt. Gleichzeitig wissen wir heute deutlich mehr über den Einfluss von Stoffwechsel und Lebensstil. So können beispielsweise eine Insulinresistenz oder eine Ernährung mit vielen Lebensmitteln hoher glykämischer Last bei manchen Btroffenen hormonelle Signalwege aktivieren und dadurch die Talgproduktion sowie Entzündungsprozesse fördern.”

Ganzheitliche Heilungsansätze können daher Zusammenhänge berücksichtigen und die medizinische Behandlung sinnvoll durch Maßnahmen ergänzen, die den gesamten Organismus und damit auch die Hautgesundheit unterstützen.

Die Profis

Professionelle Kosmetiker:innen beiten ebenfalls hilfreiche Behandlungsoptionen, die ergänzend Therapieerfolg versprechen. Vor allem medizinische Akneausreinigungen sowie chemische Peelings mit Fruchtsäuren oder Salicylsäure sind seit Jahren vielversprechend für eine langfristige Heilung. Doch auch hier gilt: Alles muss individuell von Profis abgeklärt werden.

Werden Salben oder Cremen mit Inhaltsstoffen wie Retinoid angewendet, sollte man vorsichtig sein und die Behandlung vorab mit der:dem Kosmetiker:in sowie der:dem Dermatolog:in abklären, um zusätzliche Hautreizungen zu vermeiden. Ist die Akne abgeheilt, können fraktionierte Laserbehandlungen Aknenarben deutlich mildern, genauso wie Microneedling.

Tools fürs Zuhause

Neben all den Cremes und Salben gibt es am Markt immer häufiger Hilfsmittel, die man im eigenen Badezimmer anwenden kann. Schon mal jemanden in der U-Bahn mit Sternchen im Gesicht gesehen? Stars wie Justin Bieber lieben diese Pimple Patches, also Sticker, die mit wirksamen Inhaltsstoffen Entzündungen heilen sollen. Doch was ist da dran? “In meiner Praxis berichten mir viele Patientinnen, dass sie mit Pimple Patches gute Erfahrungen gemacht haben. Sie können sinnvoll sein. Die meisten enthalten Hydrocolloid, ein Material, das überschüssige Wundflüssigkeit aufnimmt und ein feuchtes Wundmilieu schafft. Dadurch kann sich der Pickel oft schneller beruhigen.

Ein weiterer Vorteil ist, dass die Patches verhindern, ständig an den Pickeln zu drücken oder zu kratzen. Das kann das Risiko für Entzündungen, Narben und Pickelmale verringern”, so die Expertin. Aber Vorsicht: Sie sind ein Hilfsmittel, bekämpfen jedoch keine Ursache. Neben den Patches poppen auf Social Media zudem immer wieder futuristische Blaulicht-Masken oder Kaltplasma-Geräte auf. Beide Ansätze sind neu, weshalb die langfristigen Ergebnisse dieser im Gegensatz zu etablierteren Behandlungen bislang noch sehr gering einzuschätzen ist. Das blaue Licht wirkt unter anderem auf Aknebakterien und kann Entzündungen reduzieren.

„Die Wirksamkeit hängt unter anderem von der Qualität des Geräts sowie von einer regelmäßigen und konsequenten Anwendung ab“, so die Dermatologin. Kaltplasma wurde bisher zur Behandlung chronischer Wunden eingesetzt. Es soll antibakteriell und entzündungshemmend wirken. Ihre Einschätzung: Ergänzend könne man die Tools ausprobieren.

Im Selbsttest

Auch unsere Redakteurin hat nach jahrelanger Spätakne bereits einige Therapien getestet: Skinoren-Creme, antibiotische Salben, Blaulicht-Geräte, kaschieren mit Make-up und allerlei Anti-Spot-Treatments aus Apotheken. Kürzlich gab sie dem Kaltplasmagerät von Phlas eine Chance. Über vier Monate kam das Tool täglich zur Anwendung: Morgens und abends wird es Schritt für Schritt jeweils etwa eine Minute auf den betroffenen Hautarealen angesetzt. Je nach Größe der betroffenen Stellen kann eine Behandlung täglich bis zu 20 Minuten dauern.

Das Ergebnis überrascht: Nach etwa sechs Wochen waren die Akne-Ausbrüche zwar weniger intensiv, allerdings nicht komplett verschwunden. Entzündungen heilen durch die Behandlung mit dem Tool zwar schneller ab, Pickelmale bleiben jedoch sichtbar. Das Fazit deckt sich mit der Einschätzung der Expertin: Als Zusatz eine Möglichkeit, aber kein Ersatz für gängige Behandlungsmethoden.

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