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Ich weiß nicht, wie es euch geht – aber für mich beginnt mit dem September regelmäßig die wildeste Phase des Jahres. Der Schulbeginn mit neuen Stundenplänen, Elternabenden, WhatsApp-Gruppen mit 86 ungelesenen Nachrichten, Kindergeburtstage, Pagrobesuche und irgendwo zwischen den Wäschebergen und den Schulsachen liegt noch der Hund, der zum Tierarzt muss.
Und wir? Mein Mann und ich? Wir funktionieren. Wir sprechen in Halbsätzen. Tauschen Informationen aus wie in einem Logistikunternehmen. Nähe? Fehlanzeige. Zeit zu zweit? Vielleicht wieder im nächsten Urlaub.
Vor ein paar Jahren haben wir gemerkt: So darf das nicht weitergehen.

Wir organisieren alles – aber unsere Beziehung bleibt auf Stand-by. Und irgendwann redet man nur noch auf der Elternebene miteinander. Also haben wir beschlossen: Wenn der Alltag uns schon fordert, dann planen wir uns wenigstens mit ein. Und ja – ich weiß, das klingt nicht besonders romantisch. Aber ganz ehrlich? Romantik ohne Zeitfenster ist wertlos.
Wenn man nicht bewusst Platz schafft für Nähe, dann passiert sie nicht. Also setzen wir uns jedes Jahr im August oder Anfang September hin – und planen. Nicht nur Stundenpläne und Musikunterricht, sondern: Wie schaffen wir es, als Paar sichtbar zu bleiben – in diesem vollgepackten Alltag?

Und dabei geht’s nicht nur um die großen Dinge – Konzertkarten, Wochenenden zu zweit, Theaterabos. Es sind die kleinen Rituale, die wirklich wichtig sind: eine feste Umarmung jeden Morgen. Der Kaffee zu zweit in der Küche, bevor das Haus wach wird. Ein kurzer Austausch über den Tag des anderen. Eine tägliche Nachricht am Handy – nur ein Satz, ein Herz, ein „Ich denk an dich“.
Und plötzlich fühlt sich der Alltag weniger voll an. Manchmal braucht es auch, dass einer den anderen daran erinnert. Wenn einer von uns wieder in den „Ich muss nur noch schnell …“-Modus kippt, hilft es, wenn der andere sagt: „Wollen wir kurz auf Pause drücken? Nicht vorwurfsvoll – sondern liebevoll.
Weil wir uns gegenseitig aus dem Überlebensmodus holen, wenns nötig ist.
Zum Schulbeginn haben fünf Dinge für uns gefunden, die helfen.

Nicht perfekt, aber wirkungsvoll:
Wir haben ein Abo – für uns. Kabarett, Theater, Konzerte – völlig egal. Hauptsache: Es steht im Kalender, es gehört nur uns, und wir freuen uns darauf. Weil Vorfreude verbindet – gerade im stressigen Alltag.
Eine Stunde pro Woche nur wir zwei. Kein Kinderthema, kein Multitasking, kein Scrollen nebenbei. Nur ein Kaffee, ein Spaziergang, ein echtes Gespräch. Kurz mal raus aus der Elternrolle, rein ins Wir.

Auch wir dürfen Pläne machen. Ein gemeinsames Wochenende? Ein Kurs, den wir zusammen besuchen? Es muss nichts Großes sein – aber es zeigt: Wir nehmen uns noch wahr, wir haben gemeinsame Ziele. Nicht irgendwann – sondern jetzt.
Kleine Rituale, die uns verankern. Ein kurzer Blick am Morgen, bevor alle losrennen. Der Kaffee, den wir bewusst gemeinsam trinken – selbst wenns nur fünf Minuten sind. Solche Mini-Momente geben uns Halt – auch wenn ringsum alles laut ist.

Füreinander hinschauen – gerade dann, wenn einer sich verliert. Wir erinnern uns gegenseitig daran, dass wir nicht nur funktionieren müssen. Wenn einer zu kippen droht in Stress, Strenge oder Erschöpfung, ist der andere da: mal mit einem Augenzwinkern, mal mit einem klaren „Atme durch“. Weil man manchmal nicht merkt, dass man abdriftet – und genau dann jemanden braucht, der einen wieder sanft auf den Boden holt. Der September bleibt turbulent. Aber wir lassen nicht zu, dass er uns auffrisst. Denn Eltern sein ist wunderbar. Aber Paar bleiben – das macht den Unterschied.

Claudia Toth, MSC
Ganzheitliche Familienbegleiterin, psychosoziale Beraterin. Sie begleitet Paare und Eltern dabei, ein stabiles Fundament für sich selbst, ihre Partnerschaft und die Begleitung ihrer Kinder zu schaffen. Ihre Mission: gestärkte Familien der Zukunft.
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