© Harms Photography
Anfang 2025 fasste Steffi Harms einen simplen, aber radikalen Entschluss: mehr produzieren als konsumieren. Weniger scrollen, mehr posten – und zwar auf ihre Art. Was als spontaner Trendversuch begann, wurde schnell zur ersten Aufmerksamkeitswelle. Heute bringt sie mit ihren Figuren aus „Gschaftberg“ tausende Menschen auf Social Media mit ihrem Kanal „This is Steevie“ zum Lachen – und zeigt dabei, dass Heimat nicht nur romantisch, sondern auch ehrlich sein darf. Zwischen Dialekt, Dorfcharakteren und feinem Gespür fürs Zwischenmenschliche hat sie ihren ganz eigenen Ton gefunden: unverstellt, nahbar und ziemlich pinzgauerisch.
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Wie hat bei dir alles angefangen? Gab es einen konkreten Moment oder eine Idee, bei der du wusstest: Dazu mache ich jetzt ein Video auf Instagram?
Steffi Harms: Ich habe mir Anfang 2025 vorgenommen: „Produce more than you consume“ – und das bezog sich auch auf meinen Online-Konsum. Also: mehr posten, weniger scrollen. Im Sommer gab es dann den Trend „my impression of …“, und den habe ich mir zu eigen gemacht. Dadurch kam die erste Welle an Aufmerksamkeit.

Warum gerade Dialekt und Comedy? Was bedeutet dir der Pinzgauer Dialekt?
Weil es in meinem Fall „a gmahde Wiesn“ ist (lacht). Ich kann das einfach am besten. Lustig sein und reden, wie mir der Schnabel gewachsen ist. Dazu muss ich mich weder verstellen noch bemühen – so blöd wie’s klingt. Der Pinzgauer Dialekt bedeutet mir alles, weil das ich bin. Den ganz tiefen Dialekt verwende ich im normalen Sprachgebrauch zwar nicht, aber es macht so Spaß, weil es sich für andere fast wie eine Fremdsprache anhört. Kurz gesagt: Ohne meinen Dialekt bin ich nicht ich.
Auf deinem Kanal geht’s viel um Heimat – liebevoll, aber auch ehrlich. Was macht für dich den Pinzgau so liebenswert und was manchmal auch ein bisschen nervig?
Mir war wichtig, nicht irgendeinen Content zu machen, sondern etwas, das tief mit mir verbunden ist. Den Charme der Pinzgauer, ihren Humor, das Trockene, ihre Stärke und die Naturverbundenheit schätze und liebe ich sehr. Was mich manchmal nervt, ist eine gewisse Engstirnigkeit, die es leider auch gibt. Dinge oder Menschen werden oft sehr schnell beurteilt – vielleicht auch aus Unsicherheit heraus. Manchmal fehlt der Mut, anders zu sein oder Neues zuzulassen. Aber das ist nur meine persönliche Einschätzung und Teil davon, dass Heimat eben nicht nur romantisch, sondern auch ehrlich ist.
Hattest du anfangs Zweifel, ob das gut ankommt?
Nein. Ich habe mir weniger als nichts gedacht – das ist oft Fluch und Segen zugleich.
Gab es auch negative Erfahrungen oder Hater-Kommentare? Wie gehst du heute damit um, ohne dich davon runterziehen zu lassen?
Ja klar, es gibt immer jemanden, dem nicht gefällt, was man macht. Am besten beschreibt es der Satz: „It’s only cringe until it’s cool.“ Am Anfang wird man belächelt, und sobald es dann Früchte trägt, feiern sie dich. Wirkliche Hater-Kommentare habe ich kaum. Und wenn, dann steht schon eine Armee an treuen Follower:innen in den Kommentaren, die mich am liebsten mit Schwert und Schild verteidigen würden. Was ich aber mache: Ich packe Hater-Kommentare in mein Story-Highlight – nicht um ihnen mehr Bühne zu geben oder Mitleid zu kassieren, sondern um Bewusstsein zu schaffen. Hass ist Alltag im Netz – und das sollte er nicht sein. Heute trifft’s mich, morgen vielleicht jemanden, den es wirklich verletzt.
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Was macht dir am Drehen und Posten am meisten Freude? Der kreative Prozess, die Reaktionen der Leute oder vielleicht das Gefühl, etwas Eigenes aufgebaut zu haben?
Der Mix aus allem. Am Anfang habe ich es eher „für mich“ gemacht, einfach weil mir das Imitieren und Schauspielern so Spaß machen. Mittlerweile habe ich mir aber ein kleines „Dorfklatsch-Universum“ aufgebaut, und meine Follower:innen brennen darauf, wieder Neuigkeiten aus Gschaftberg zu bekommen. Ich bin super stolz auf mich, dass ich das alles einfach durchgezogen habe – es war schon eine Überwindung. Aber das Feedback und so viele Menschen zum Lachen zu bringen, bedeuten mir die Welt.
Und ich schätze es noch mehr, aus so einem hübschen „Fleckei“ zu kommen.
Was ist für dich typisch pinzgauerisch – jenseits von Klischees? Gibt es Eigenschaften oder Eigenheiten, die man erst versteht, wenn man wirklich von dort ist?
Typisch pinzgauerisch ist, Dinge nicht auszuschmücken. Man bleibt am Boden, auch wenn es gut läuft. Vertrauen entsteht durch Beständigkeit, nicht durch große Gesten. Die Liebe zur Natur ist eines der obersten Gebote. Und was man erst versteht, wenn man von dort ist: Verschlossenheit hat nichts mit Kälte zu tun, sondern oft mit Respekt, Vorsicht und dem Wunsch, niemandem zur Last zu fallen.
Bist du stolz auf deine Herkunft? Und hat sich dein Blick auf den Pinzgau verändert, seit du Reels auf Instagram machst?
Ich bin sehr stolz, eine Pinzgauerin zu sein, und merke immer mehr, welchen „Heimvorteil“ ich in manchen Situationen habe. Menschen aus anderen Bundesländern sagen mir oft, wie sympathisch mein Dialekt klingt – er schafft sofort Nähe. Mein Blick hat sich insofern verändert, dass ich jetzt noch genauer hinschaue und hinhöre, wenn ich dort bin. Und ich schätze es noch mehr, aus so einem hübschen „Fleckei“ zu kommen.
Was möchtest du mit deinem Content erreichen? Geht es dir mehr um Unterhaltung, um Identifikation oder um etwas anderes?
In erster Linie möchte ich den Alltag der Menschen erheitern. Ich will in Inhalten, die auf den ersten Blick vielleicht „flach“ wirken, eine tiefere Botschaft einbauen – ein Auge fürs Zwischenmenschliche haben. Ich zeige nicht nur meine „Gschaftberg“-Charaktere, mit denen ich Menschen aus ländlichen Teilen Österreichs eine Stimme gebe, sondern auch mich selbst. Und das so nahbar wie möglich – sodass es sich für meine Community fast wie ein kurzer FaceTime-Call anfühlt. Mein Kanal soll ein Safespace sein, der Menschen zum Lachen, aber auch manchmal zum Nachdenken bringt.
Wie sehen deine Zukunftspläne aus? Bleibt Instagram dein Hauptaugenmerk oder hast du andere Träume – Bühne, Buch, Fernsehen?
Ich bin einfach happy mit allem, was auf mich zukommt, und total offen – ich schnuppere gerade in alle Richtungen. Bühne ist natürlich ein Traum, den ich schon vor Social Media hatte, auch wegen meiner Schauspielausbildung. Und den werde ich mir wohl oder übel erfüllen müssen, wenn es so weitergeht wie bisher (lacht).
Mehr über die Autorin dieses Beitrags

Elisabeth Trauner ist Redakteurin bei Unser SALZBURG und mit Stift, Block und Herz immer zur Stelle, wenn Menschen spannende Geschichten zu erzählen haben. Sie hört Podcasts, braucht Krimis und True Crime-Dokus zum Einschlafen und probiert gerne neue Kochrezepte aus, die aber meistens komplett schief gehen.