Die Engelin des Salzburger Adventsingens: Elisabeth Eder bei der Aufführung im Engelskostüm

Elisabeth Eder-Marböck: Die Engelin des Salzburger Adventsingens

Zwischen Himmel und Bühne

6 Min.

© F. Neumayr

Hinter dieser Leichtigkeit stehen jedoch jahrelange Ausbildung und künstlerische Erfahrung. Die gebürtige Salzburgerin studierte am Mozarteum Salzburg, an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien sowie an der Guildhall School of Music and Drama in London. Neben ihrer internationalen Konzerttätigkeit verbindet sie ihre Arbeit als Sängerin, Harfenistin und Wissenschaftlerin mit einer großen Leidenschaft für Musik und deren Vermittlung. Im Interview spricht sie über ihre Rolle als Engel, die Besonderheiten des Salzburger Adventsingens und darüber, was sie persönlich mit der Adventszeit verbindet.

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Frau Eder-Marböck, seit vielen Jahren stehen Sie als Sopransolistin in der Rolle des Engels beim Salzburger Adventsingen auf der Bühne. Wie hat sich Ihre Rolle im Laufe der Jahre entwickelt?

Elisabeth Eder-Marböck: Der Engel wird jedes Jahr anders inszeniert, und genau das macht diese Rolle so spannend. Ich glaube, dass in jede Figur, die man spielt, auch immer etwas von einem selbst einfließt. Wer sich intensiv mit einer Rolle beschäftigt, bringt automatisch eigene Gefühle, Gedanken und Erfahrungen mit ein. Bei meinem Engel sind das vor allem Empathie, Sensibilität und der Wunsch, den Menschen etwas Positives mitzugeben. Ich finde es schön, wenn ein Engel nicht nur etwas Übernatürliches verkörpert, sondern auch ganz menschliche Seiten zeigen darf.

Die Engelin des Salzburger Adventsingens: Elisabeth Eder bei der Aufführung im Engelskostüm
© F. Neumayr

Wenn man die Figur des Engels aus heutiger Perspektive betrachtet: Welche Rolle spielen gesellschaftliche Entwicklungen – etwa der Wandel weg von patriarchalen Vorstellungen – für Ihre Interpretation?

Ich finde es wichtig, traditionelle Figuren immer auch im Kontext gesellschaftlicher Veränderungen zu betrachten. Viele Vorstellungen sind historisch gewachsen und von patriarchalen Strukturen geprägt. Heute haben wir die Möglichkeit, diese kritisch zu hinterfragen und neu zu interpretieren. Die Figur des Engels – oder der „Engelin“ – kann auch für Gleichberechtigung, Freiheit und die Überwindung traditioneller Geschlechterrollen stehen. Der Schwerpunkt des diesjährigen Werkes liegt auf den weiblichen Figuren. Hans Köhl möchte damit bewusst ein Zeichen für die Gleichberechtigung und die Bedeutung von Frauen setzen.

Jedes Jahr, wenn ich für dieProben zum ersten Mal das Festspielhaus betrete, liegt Magie in der Luft und es wird etwas ganz Besonderes geschaffen.

Was erwartet das Publikum von der Darstellung des Engels im diesjährigen Werk „Das große Geheimnis“?

Im Mittelpunkt der diesjährigen Inszenierung steht die Frage, welche Bedeutung die Geburt Christi und die damit verbundenen Werte heute noch haben können. Der Engel übernimmt dabei eine zentrale Rolle. Er begleitet als guter Geist die Handlung und unterstützt die verschiedenen Protagonistinnen und Protagonisten, insbesondere die Erzählerin. In diesem Jahr ist der Engel besonders präsent: Er beobachtet, führt, verbindet und schenkt Hoffnung und Zuversicht. Außerdem erscheint er an unterschiedlichen Orten auf der Bühne, was der Figur etwas Geheimnisvolles verleiht und zeigt, dass Engel überall sein können und nicht an räumliche Grenzen gebunden sind.

Sie blicken auf eine außergewöhnliche Laufbahn mit acht Studienabschlüssen und zahlreichen Auszeichnungen – darunter der Ehrenring der Republik Österreich – zurück. Was bedeuten Ihnen diese Anerkennungen?

Ich bin ein sehr vielseitiger Mensch und konnte mich nie auf nur ein Studienfach festlegen. Ich habe viele Interessen und liebe die Abwechslung. Deshalb wurden es mehrere Studien gleichzeitig. Ich bin unglaublich dankbar für die Möglichkeiten, die ich erhalten habe, und dafür, dass ich alle Studien mit Auszeichnung abschließen konnte. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir die Promotion sub auspiciis, bei der Bundespräsident Alexander Van der Bellen anwesend war. Ebenso unvergesslich war die Graduierung meines Harfenstudiums in London – mit den traditionellen Umhängen und Hüten fühlte ich mich wie in einem Harry-Potter-Film.

Sie sind gebürtige Salzburgerin. Welche Erinnerungen verbinden Sie mit Advent und Weihnachten?

Ich bin in Großarl im Pongau aufgewachsen und lebe seit meiner Studienzeit in der Stadt Salzburg. Die Adventszeit war für mich immer eng mit Musik verbunden. Gemeinsam mit meiner Familie – der Familienmusik Eder-Hutter – haben wir viel musiziert und zahlreiche Konzerte in Salzburg und anderen Bundesländern gestaltet. Diese musikalischen Erlebnisse und die österreichische Volksmusik prägen meine schönsten Kindheitserinnerungen an Advent und Weihnachten.

Das Salzburger Adventsingen begeistert seit seiner Gründung im Jahr 1946 Generationen von Besucherinnen und Besuchern. Was macht diese Faszination bis heute aus?

Ich glaube, es ist die gelungene Verbindung aus Tradition und Vielfalt. Das Salzburger Adventsingen ist ein szenisches Oratorium mit einem außergewöhnlich breiten musikalischen Spektrum. Es reicht von alpenländischer Volksmusik über bekannte Weihnachtslieder bis hin zu klassischen Kompositionen in unterschiedlichsten Besetzungen. Verschiedene Ensembles, das Orchester, der Salzburger Volksliedchor, die Hauptdarstellerinnen und Hauptdarsteller sowie die Hirtenkinder gestalten gemeinsam ein abwechslungsreiches Programm. Dadurch ist für jeden Geschmack etwas dabei.

Wenn Sie am Ende einer Vorstellung als Engel die Bühne verlassen und den Applaus hören – was nehmen Sie mit nach Hause?

Vor allem große Dankbarkeit und zudem viele wunderbare Erinnerungen. Es ist keineswegs selbstverständlich, bei einer so renommierten und besonderen Veranstaltung auf der Bühne stehen zu dürfen. Für mich ist das Salzburger Adventsingen jedes Jahr außerdem das persönliche Veranstaltungs-Highlight. Schon wenn ich zu den ersten Proben das Festspielhaus betrete, liegt eine besondere Magie in der Luft. Gemeinsam entsteht etwas Einzigartiges. Das gesamte Team – vor und hinter der Bühne – sorgt zudem für eine außergewöhnlich herzliche und positive Atmosphäre. Ich bin überzeugt, dass sich diese Stimmung auch auf das Publikum überträgt und sich schließlich im begeisterten Applaus widerspiegelt.

DAS GROSSE GEHEIMNIS:
80 Jahre Salzburger Adventsingen vom 27. November bis 13. Dezember 2026

Nach einer Reise durch biblische Landschaften und die alpine Bergwelt kehrt das Salzburger Adventsingen heuer dorthin zurück, wo seine Geschichte vor 80 Jahren begann: in die stimmungsvolle Kulisse der Salzburger Altstadt. Rund um den Residenzplatz wird die Weihnachtsgeschichte neu lebendig – mit Maria und Josef, mit Hirtenkindern auf der Suche nach ihren verlorenen Schafen und mit dem zeitlosen Zauber des Weihnachtswunders. Eine berührende Rückkehr zu den Wurzeln, die Tradition, Musik und die besondere Magie der Adventszeit miteinander verbindet.

Mit der Jubiläumsproduktion endet zugleich eine prägende Ära. Nach 27 Jahren als Intendant und künstlerischer Gesamtverantwortlicher verabschiedet sich Hans Köhl vom Salzburger Adventsingen.

Alle Infos und Karten unter www.salzburgeradventsingen.at

Mehr über die Autorin dieses Beitrags

Elisabeth Trauner
© Privat

Elisabeth Trauner ist Redakteurin bei Unser SALZBURG und mit Stift, Block und Herz immer zur Stelle, wenn Menschen spannende Geschichten zu erzählen haben. Sie hört Podcasts, braucht Krimis und True Crime-Dokus zum Einschlafen und probiert gerne neue Kochrezepte aus, die aber meistens komplett schief gehen.

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