Porträtbild von Filmemacher Adrian Goiginger

Adrian Goiginger: Ein leidenschaftlicher Filmemacher

Vom Leben inspiriert

5 Min.

© Steven LüdtkeGIGANTEN


Adrian Goiginger, einer der markantesten österreichischen Regisseure der letzten Jahre, hat sich mit Filmen wie „Die beste aller Welten“ und „Vier minus drei“ einen Namen gemacht. Wir sprachen mit ihm über Inspiration, Herausforderungen und die Balance zwischen künstlerischer Freiheit und Respekt vor der Wahrheit. 

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Adrian Goiginger wurde am 22. Februar 1991 in Salzburg geboren und wuchs als Einzelkind in einer ärmlichen Plattenbausiedlung im Stadtteil Liefering auf. 

Seinen Vater, der mit Mitte 30 an einer Überdosis Heroin starb, lernte er nie kennen. Seine Mutter Helga, die ebenfalls mit Drogen zu kämpfen hatte, schaffte es mithilfe ihres Glaubens, von der Sucht loszukommen, starb jedoch früh im Alter von 39 Jahren an Krebs. Einen wichtigen Rückhalt während seiner Kindheit bildeten seine auf dem Land lebenden Großeltern und sein Urgroßvater.

Bei einem Besuch dort sah er im Alter von elf Jahren den Film „Forrest Gump“ – ein Erlebnis, das ihn so begeisterte, dass er von diesem Moment an entschlossen war, eines Tages selbst Filme zu machen. Wir haben uns mit dem Regisseur auf ein Gespräch getroffen und uns unter anderem darüber unterhalten, was ihn daran fasziniert, persönliche Erinnerungen in Filme zu verwandeln. 

Ihr erster großer Film „Die beste aller Welten“ basiert auf Ihrer eigenen Kindheit. Wann haben Sie zum ersten Mal gedacht: Diese Geschichte muss ein Film werden? War es schwierig, eine so persönliche Geschichte öffentlich zu erzählen? 

Andrian Goiginger: Nach dem Tod meiner Mutter 2012 habe ich viel über meine Kindheit und ihr Leben nachgedacht. Erst dann wurde mir bewusst, welche unfassbare Leistung sie vollbracht hat und wie sie mir trotz aller Widrigkeiten eine schöne Kindheit ermöglicht hat. 2013 begann ich, das Drehbuch zu „Die beste aller Welten“ zu schreiben, weil ich merkte, dass die Idee für andere spannend sein könnte. Es war eine klare Entscheidung, die Geschichte öffentlich zu machen und zudem echte Namen zu verwenden. 

Viele Ihrer Filme entstehen aus realen Geschichten. Was fasziniert Sie daran, persönliche Erinnerungen in Filme zu verwandeln? 

Bei realen Geschichten hat man viel zu recherchieren – und das liebe ich. Mich mit Menschen zu treffen, sie auszufragen und immer mehr über ihr Leben zu erfahren, ist unglaublich bereichernd. Außerdem kann man echte Orte besuchen, Fotos, Videos, Tagebücher entdecken. Das hilft mir als Autor und Regisseur total, in die Welt einzutauchen und einen besseren Film zu machen. Das Wahrhaftige hat immer einen besonderen Reiz. 

In Ihrem neuen Film „Vier minus drei“ erzählen Sie von einem unfassbaren Verlust. Das Drama stellt eine Ehefrau und Mutter in den Mittelpunkt, die ihre Familie durch einen Verkehrsunfall verliert. Drehbuchvorlage war der gleichnamige, 2010 erschienene Erlebnisbericht und Bestseller der Österreicherin Barbara Pachl-Eberhart. Was war die größte Herausforderung, diese Geschichte respektvoll auf die Leinwand zu bringen? 

Barbara ist der lebende Beweis dafür, dass es selbst nach der schlimmsten Tragödie noch ein Happy End geben kann. Sie ist jetzt wieder verhei- ratet, hat eine Tochter und strahlt Glück aus, denkt aber immer noch an ihre verunglückte Familie. Das war sehr berührend für mich. Indem wir sie von Anfang an stark in den Prozess eingebunden haben, wurde es nicht nur mein Film, sondern unser Film. 

Wie findet man als Regisseur die Balance zwischen künstlerischer Freiheit und Respekt vor der wahren Geschichte? 

Dafür gibt es kein allgemeingültiges Rezept. Ich lege früh die Karten auf den Tisch und erkläre, wo ich von der Realität abweichen möchte. Ein Spielfilm hat immer fiktive Elemente – sei es durch Weglassungen oder zeitliche Straffungen. Ein künstlerisches Letztentscheidungsrecht ist für mich jedoch essentiell. 

Viele junge Filmemacher kämpfen jahrelang um ihren ersten Kinofilm. Gab es Momente, in denen Sie selbst gezweifelt haben? 

Auch bei mir war es ein jahrelanger Kampf. Eigentlich wollte ich vor „Die beste aller Welten“ schon einen anderen Film drehen, der aber nie finanziert wurde. Das Filmgeschäft ist hart – und das wusste ich. Aber gerade deswegen ist es ein großes Privileg, einen Kinofilm als Autorenfilmer realisieren zu dürfen. 

Wie schwierig ist es heutzutage, einen Film in Österreich zu finanzieren, besonders für junge Regisseur:innen? 

Ob es früher einfacher war, kann ich nicht sagen. Es gibt immer zu wenig Geld. Die Kinofilmförderung in Österreich ist besonders, weil sie das Künstlerische stark fokussiert. Ohne sie hätte ein Film wie „Die beste aller Welten“ keine Chance gehabt. Im Vergleich zu Fernsehen oder Streaming hat man im Kino die meiste künstlerische Freiheit. 

Wo sehen Sie die österreichische Filmbranche in den nächsten Jahren? 

Hoffentlich wird das Produzieren und Drehen in Österreich wieder attraktiver. Mit dem neuen Fördersystem muss man fast ins Ausland ausweichen, was schade ist. Kreative Stimmen gibt es genug – auf internationalen Festivals liefern wir regelmäßig starke Ergebnisse, das macht mich stolz. 

Wenn Sie an den jungen Adrian Goiginger denken, der seine ersten Filme drehen wollte – wäre er überrascht, wo Sie heute stehen? 

Ich hatte schon immer große Träume, und die habe ich noch. Dass ich inzwischen meinen fünften Kinofilm ins Kino bringen durfte, hätte mich damals sicher überrascht. Eine echte Alternative zum Filmemachen gab es für mich aber nie. 

Mehr über die Autorin dieses Beitrags

Elisabeth Trauner
© Privat

Elisabeth Trauner ist Redakteurin bei Unser SALZBURG und mit Stift, Block und Herz immer zur Stelle, wenn Menschen spannende Geschichten zu erzählen haben. Sie hört Podcasts, braucht Krimis und True Crime-Dokus zum Einschlafen und probiert gerne neue Kochrezepte aus, die aber meistens komplett schief gehen.

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