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Pamela Obermaier: So geht Selbstwert!

Im Interview über tief verankerte Prägungen und berufliche Selbstbestimmung.

5 Min.

© PM Gabriele Scheinast


Frauen leisten viel und verkaufen sich dennoch häufig unter ihrem Wert. Während Männer selbstbewusst hohe Honorare fordern, zögern viele Frauen, ihren tatsächlichen Marktwert zu benennen. Pamela Obermaier spricht über tief verankerte Prägungen und berufliche Selbstbestimmung.

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Pamela Obermaier versteht sich als Botschafterin für Female Empowerment und als Potenzialentwicklerin. Die mehrfache Bestsellerautorin mit psychologischen, philosophischen und neurolinguistischen Wurzeln hilft anderen dabei, sabotierende Muster zu erkennen und aufzulösen, sodass sie in Folge ihre Ziele erreichen können. Als Speakerin, Top-Trainerin und Mentorin unterstützt sie Einzelpersonen wie Unternehmen darin, ihre Erfolgsbilanz durch eine optimierte innere Einstellung und eine ebensolche Außenwirkung zu steigern. Außerdem ist sie Unternehmerin: Inhaberin der Kommunikationsagentur PYNO Communications sowie von PremiumTalk, der Akademie des Auftritts.

Sie sprechen über tief vergrabene Selbstzweifel von Frauen im Business. Was ist aus Ihrer Sicht die eigentliche Wurzel dieses „Nicht-gut-genug“-Gefühls?

Die Wurzel liegt in den frühen Prägungen, also in der Konditionierung und Sozialisierung: Viele Frauen lernen, sich Liebe und Anerkennung über Anpassung, Gefälligkeit und Zurücknehmen zu sichern – und so wird Bescheidenheit zur Eintrittskarte für Zugehörigkeit. Wer aber glaubt, nur dann liebenswert zu sein, wenn er brav, zurückhaltend, lieb und nie fordernd ist, entwickelt zwangsläufig einen inneren Maßstab, der unerreichbar bleibt.

Das »Ich bin nicht gut genug«-Gefühl ist also kein persönliches Defizit oder Kompetenzproblem, sondern vielmehr ein übernommenes Beziehungsmuster, wie es im Patriarchat vorgelebt wird. Solange Frauen die Erwartungen anderer erfüllen und nirgends anecken wollen, statt eigene Maßstäbe zu setzen, bleibt dieses Gefühl bestehen.

Was ist der konkret erste Schritt, um sein eigenes Fundament der Selbstzweifel zu erschüttern?

Der erste Schritt ist, Selbstzweifel als erlernte Gewohnheit, als teils unbewusste Überzeugung zu erkennen. Sobald die Erkenntnis greift, dass der weibliche Selbstzweifel in unserer Gesellschaft System hat und deshalb ein kollektives Phänomen. Nicht bloß ein individuelles ist, entsteht ein Abstand zur Gewohnheit, sich selbst ständig zu unterschätzen. Und in diesem Abstand liegt die Chance, die eigene innere Stimme neu auszurichten. Die nachhaltige Veränderung beginnt, sobald Zweifel ihre Autorität, ihre Übermacht verlieren.

Wie gelingt es, Selbstbewusstsein zu entwickeln, ohne in eine Selbstdarstellung zu verfallen?

Selbstbewusstsein ist nichts, das zu Egomanie oder gar Narzissmus führt. Es bildet im Gegenteil die Basis für alles rund um das eigene Selbstbild. Selbstbewusst zu sein, bedeutet immerhin, sich der eigenen Werte, Grenzen, Fähigkeiten und Schwächen bewusst zu sein. Das reicht übrigens nicht, um den eigenen Marktwert zu erhöhen. Dafür braucht es Selbstsicherheit. Wer die einmal gewonnen hat und den eigenen Wert unerschütterlich in sich trägt und nicht von Äußerlichkeiten abhängig macht, läuft selten Gefahr, in Selbstdarstellung zu verfallen.

In Ihrem Buch „Wie viel bin ich wert?“ verknüpfen Sie Selbstwert und Kontostand. Würden Sie sagen, dass finanzielle Gesundheit in erster Linie ein Mindset-Thema ist – oder braucht es dafür ebenso strukturelle Veränderungen?

Die Verbindung von Selbstwert und Einkommen entsteht im Zusammen- spiel von Haltung und Rahmenbedingungen. Für mich ist Geld ein Symptom, das aufzeigt, wenn zusätzlich der Selbstwert im Keller liegt. Fakt ist: Frauen bewegen sich in Systemen, die ihre Leistung historisch geringer bewerten, und zugleich in Prägungen, die sie dazu anhalten, ihr Können zu relativieren und Konflikte zu vermeiden.

Nachhaltige finanzielle Gesundheit für Frauen erfordert daher einerseits ein neues Selbstverständnis und andererseits verbindliche strukturelle Veränderungen. Zweiteres passiert nur langsam und liegt begrenzt in unserer Hand. In unserem eigenen Einflussbereich liegt allerdings der Umgang mit dem eigenen Wert – und genau da setze ich an: Ich will Frauen aus ihrer inneren Ohnmacht herausführen und in die Selbstwirksamkeit bringen. Das ist kein Ersatz für die längst überfällige Gleichberechtigung in unserer Gesellschaft, aber einer ihrer stärksten Beschleuniger.

Viele Frauen haben kein Problem damit zu leisten, aber Schwierigkeiten, hohe Honorare anzunehmen. Was müssten Frauen heute innerlich verändern, um morgen selbstbewusst ihr Gehalt zu verhandeln?

Frauen koppeln ihren Wert oft an Einsatz und Stundeninvestment, nicht an Wirkung, Ergebnis oder Expertise. Daraus entsteht die Vorstellung, noch mehr leisten zu müssen, bevor höhere Honorare gerechtfertigt sind. Diese Logik führt leider in eine Spirale aus Mehrarbeit und Unterbezahlung. Wer hingegen Kompetenz, Erfahrung und Wirkkraft als Grundlage für die Preisgestaltung anerkennt, kann die eigenen Honorare klar und ohne Erklärungs- oder Rechtfertigungsrhetorik nennen.

Ist Selbstwert ein Zustand, den man einmal erreicht – oder eine tägliche Entscheidung? Welche konkreten Routinen oder Tipps empfehlen Sie?

Wenn man seinen Selbstwert mal gefunden und stabil aufpoliert hat, bleibt er als Fundament üblicherweise bestehen und verschwindet nicht wieder, nur weil Gegenwind kommt oder man eine Niederlage einstecken muss. Allerdings entscheidet sich im Alltag sehr wohl, ob man über die Zeit wieder in alte Anpassungsmuster zurückfällt. Durch das laufende Setzen von Grenzen, durch selbst- sicheres Einstehen für sich selbst und andere Handlungen, die den Selbstwert stärken, sorgt man dafür, dass er nie wieder zurück in den Keller fällt. Denn Ver- halten prägt das Selbstbild nachhaltiger als bloße Einsichten.

Mehr über die Autorin dieses Beitrags

Elisabeth Trauner
© Privat

Elisabeth Trauner ist Redakteurin bei Unser SALZBURG und mit Stift, Block und Herz immer zur Stelle, wenn Menschen spannende Geschichten zu erzählen haben. Sie hört Podcasts, braucht Krimis und True Crime-Dokus zum Einschlafen und probiert gerne neue Kochrezepte aus, die aber meistens komplett schief gehen.

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