Warum sich ein genauer Blick auf die Materialien unserer Kleidung lohnt
Zweimal getragen, schon fusselt das neue Lieblingsstück? Dann lohnt sich ein Blick aufs Etikett. Also, Notizbuch und Stift gezückt: Es folgt unser großer Material-Guide!
© Pexels/Shvetsa
Im Geschäft sah er noch so vielversprechend aus: kuschelweich, in genau der richtigen Farbe, preisgünstig – wie hätte man da nicht zuschlagen können? Doch schon nach wenigen Wäschen ist der neue Pullover übersät mit kleinen Knötchen, wirkt zerschlissen und irgendwie … billig. Frustrierend!
Immer zweimal Hinschauen
Beim Kleiderkauf greifen wir automatisch zu dem, was sich gut anfühlt und gut aussieht. Doch das allein reicht nicht (mehr) aus – zumindest, wenn man das gewählte Stück noch öfter tragen möchte. Denn wie lange ein Kleidungsstück wirklich schön bleibt, hängt nicht nur von der Optik ab, sondern vor allem von der Materialzusammensetzung.
Die wenigsten von uns riskieren vor dem Gang zur Kassa einen Blick aufs „Zetterl“ – dabei würde es uns wichtige Informationen zur Qualität und Langlebigkeit liefern. Zeit für einen kleinen Crashkurs: Welche Stoffe sind eigentlich besonders robust? Welche neigen zur Knötchenbildung? Und worauf können wir im Geschäft konkret achten, um Fehlkäufe zu vermeiden?
Die wichtigsten Materialien im Überblick
Naturfasern
- Schur- & Merinowolle: wärmend, atmungsaktiv und geruchshemmend; ideal für Kleidung, die drinnen wie draußen getragen wird
- Kaschmir:Edelwolle von der Kaschmirziege; sehr wärmend, aber recht pflegeintensiv und nicht besonders strapazierfähig
- Alpaka & Mohair: warm, leicht und hautfreundlich; ideal für empfindliche Haut und kalte Tage, hat eine edle Optik und isoliert hervorragend
- Baumwolle: hautfreundlich, pflegeleicht, aber wenig isolierend; ideal für Übergangsteile und Innenschichten
Kunstfasern
- Polyester, Nylon, Acryl: robust, formstabil und pflegeleicht; ideal für günstige Alltagskleidung, aber wenig atmungsaktiv und neigt zu Pilling
- Funktionsfasern (z. B. Gore-Tex, Thinsulate): synthetisch entwickelte Spezialfasern, oft mit spezieller Beschichtung; ideal für Sport- und Outdoorbekleidung
- Viskose (z. B. EcoVero): halb-synthetische Faser aus natürlicher Zellulose wie Holz oder Bambus; weich, atmungsaktiv und saugfähig
- Modal: ähnlich wie Viskose, jedoch glatter, formbeständiger und robuster
- Lyocell (z. B. Tencel): die hochwertigste und nachhaltigste Kunstfaser-Variante – hautfreundlich, pflegeleicht und sehr atmungsaktiv

Welcher Stoff für welchen Zweck?
Mäntel & Jacken
Mäntel: Auf hohen Wollanteil (mindestens 70 % Schur- oder Merinowolle) achten für Wärme, Struktur und eine edle Optik. Mischungen mit Polyamid oder Polyester sind zwar günstiger, aber auch weniger warm und anfälliger für Fusselbildung.
Outdoor-Jacken: Ideal sind Kunstfasern wie Polyester oder Nylon mit integrierter Membran (zum Beispiel Gore-Tex) für Wetterfestigkeit. Als Innenfutter bewährt sich Fleece (aus Polyester) für Wärme oder Wollmischungen für bessere Klimaregulierung.
Übergangsjacken: Ein hoher Baumwollanteil ist hier ideal, gegebenenfalls kombiniert mit etwas Polyester für mehr Strapazierfähigkeit.
Strick & Accessoires
Merino & Kaschmir: Eine hochwertige Wahl für Pullover, Schals und Mützen (ideal: „100 % Kaschmir“ oder „100 % Merinowolle“). Merino ist temperaturausgleichend und robust, Kaschmir weich und isolierend.
Was bedeutet es, wenn verschiedene Materialien gemischt werden?
Kombinationen wie „90 % Wolle, 10 % Polyamid“ oder „70 % Merino, 30 % Seide“ bieten gute Trageeigenschaften und eine lange Haltbarkeit. Je höher der Acryl-Anteil ausfällt, desto günstiger und pflegeleichter ist ein Kleidungsstück in der Regel – dafür allerdings nicht ganz so langlebig und hochwertig in der Optik.
Was sagt die Strickstruktur über die Qualität aus?
Bei dichter, gleichmäßiger Maschenstruktur mit glatter Oberfläche und wenig abstehenden Fasern ist das Material meist langlebiger und weniger anfällig für Pilling. Lockere, grobmaschige Strickwaren mit sichtbaren Flauschfasern wirken zwar weich und voluminös, verlieren aber schneller die Form und zeigen eher Gebrauchsspuren.

Besondere Funktionen
- Wärme & Isolation: Tierhaare (wie Wolle, Kaschmir oder Alpaka) punkten mit einer hervorragenden Wärmeleistung.
- Atmungsaktivität: Naturfasern sowie Viskose, Modal und Lyocell sind atmungsaktiv und feuchtigkeitsregulierend.
- Wind- & Wetterschutz: Hier sind technische Materialien (zum Beispiel Gore-Tex) führend.
Was hilft gegen Pilling?
Ein Aspekt, den viele beim Kleiderkauf unterschätzen, ist das sogenannte Pilling – also die Bildung kleiner Fusseln oder Knötchen auf der Stoffoberfläche, insbesondere bei Strick. Die Kügelchen entstehen vor allem durch Reibung, wenn sich Fasern lösen oder brechen und dann zusammenklumpen.
wann muss man mit pilling rechnen?
- Wolle & Kunstfasern: Diese Mischung (z. B. 70 % Wolle, 30 % Polyamid) fusselt gerne, weil die stärkeren synthetischen Fasern die loseren Naturfasern „festhalten“.
- Baumwolle & Polyester: Baumwolle ist rau, Polyester sehr glatt – dadurch entstehen bei Reibung leichter hartnäckige Knötchen.
- Acryl & andere Fasern: Acryl enthält kurze, brüchige Fasern und ist dadurch sehr anfällig für Pilling.
- Vor allem flauschige Teile aus reinen Kunstfasern fusseln meist hartnäckig: Die kurzen Fasern lösen sich bei Reibung nämlich schnell und verklumpen dann. Kunstfasern sind außerdem sehr stabil – sie „verhaken“ sich regelrecht im Gewebe und lassen sich dadurch nur schwer entfernen.
- Bei Naturfasern wie Wolle oder Kaschmir kann Pilling zwar ebenfalls auftreten, hier sind die Knötchen aber meist leichter zu entfernen (zum Beispiel mit einem Fusselrasierer).
Worauf kann man beim Kauf achten?
Etikett prüfen: Je einheitlicher die Fasermischung (z. B. „100 % Merinowolle, „100 % Baumwolle), desto besser. Mischungen mit hohem Synthetikanteil (> 30 %) sind fast immer fusselanfällig, besonders bei locker gestrickten, flauschigen Stoffen.
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Über die Autorin:

Andrea Pfeifer-Lichtfuss ist Chefredakteurin der TIROLERIN und für die Ressorts Beauty und Style zuständig. Sie mag Parfums, Dackel und Fantasyromane. In ihrer Freizeit findet man sie vor der X-Box, beim Pub-Quiz oder im Drogeriemarkt.